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Hardware-Start-up mit weiblicher Schlüsselfigur

Claudia Nagels Idee macht den physischen Schlüssel überflüssig.

Nur jeder zehnte Gründer ist eine Frau: Claudia Nagel hofft, dass sich das bald ändert. Ihr Start-up KIWI sorgt dafür, dass sich Haustüren schlüssel- und berührungslos öffnen lassen – per Transponder oder über eine Smartphone-App.

Berlin im November 2007. Eine Frau steht vor der Tür eines Mehrfamilienhauses. Es regnet in Strömen. Mit einer Hand hält sie ein Baby auf dem Arm, mit der anderen eine Einkaufstüte. Sie stellt die Tüte ab, fährt mit der freien Hand durch die Taschen: Jacke, Hose, Handtasche. Sie flucht. Die Tropfen prasseln. Das Baby weint. Verzweifelt gesucht: der Haustürschlüssel.

Keine besonders schöne Situation. Doch heute würde Claudia Nagel das nicht mehr passieren. Sie ist Mitgründerin eines Unternehmens, das ein schlüsselloses Zugangssystem für Hauseingangstüren von Mehrfamilienhäusern entwickelt hat. Die Idee dazu kam ihr am eben beschriebenen Novembertag: Warum entwickelt man nicht eine technische Lösung, die den physischen Schlüssel überflüssig macht? Eine Art virtuellen Türöffner, den alle nutzen können: Hausverwaltung, Hausbewohner, Postbote, Müllabfuhr. Dafür müsste es doch einen Markt geben. Die Wirtschaftsingenieurin recherchiert, fragt ehemalige Studienkollegen. Die interessieren sich damals eher für vernetzte Einfamilienhäuser und Eigenheime. Tenor: Mit einer Lösung für Mehrfamilienhäuser kannst du kein Geld verdienen.

Der schwere Schlüsselbund – bald ein Museumsstück?

Der Name KIWI steht für „Key“ und „Wireless“

Claudia Nagel glaubt an ihre Idee, behält sie im Hinterkopf – bis sie vier Jahre später bei einem Abendessen ihren ehemaligen Arbeitskollegen Christian Bogatu wiedertrifft. Beide haben eine Zeit lang bei der gleichen Unternehmensberatung gearbeitet. Inzwischen ist Bogatu erfolgreicher Start-up-Gründer, doch er brennt darauf, etwas Neues auf die Beine zu stellen. Das passt, denkt Claudia Nagel, denn Bogatu ist ebenfalls Ingenieur. Sie erzählt von ihrer türenöffnenden Vision. Ihr Exkollege ist begeistert, schreibt ihr noch in der gleichen Nacht eine SMS mit Ideen, was man wie technisch lösen könnte.

Am nächsten Tag holt Bogatu sofort den Juristen und Unternehmer Peter Dietrich mit ins Boot: Das Start-up-Team steht. Anfang 2012 gründen Claudia Nagel und ihre Kollegen die KIWI.KI GmbH.

Irgendwo zwischen Smart Home und Smart City

„Uns war schnell klar, dass wir die Hardware für unsere Zwecke selbst entwickeln müssen“, erzählt Claudia Nagel. „Dafür braucht man natürlich einen langen Atem.“ Zwei Jahre dauert diese Phase, in der Nagel und ihr Team immer wieder testen, optimieren und weiterentwickeln. Anfang 2014 sind Hardware, Website und eine webbasierte App marktreif. Heute residiert das Unternehmen in einem ehemaligen AEG-Industriebau aus der Gründerzeit im Berliner Stadtteil Wedding.Claudia Nagels Ärger über die lästige Schlüsselsuche hat sich in eines der erfolgreichsten Hardware-Start-ups der Bundeshauptstadt verwandelt. KIWI hat mehr als sechs Millionen Euro von Investoren eingesammelt, beschäftigt mehr als 50 Mitarbeiter – und hat noch Stellen frei. Verkehrssprache ist Englisch: Das Team ist international, hat Wurzeln in 19 verschiedenen Ländern.

„Schlüssel wird es weiterhin geben, doch durch die neue Technik werden sie auf Diät gesetzt.“

In einem der Büros zeigt Claudia Nagel das Originaltableau einer alten Klingelanlage: Namensschilder und Klingeln für 14 Parteien, darüber der Lautsprecher für die Gegensprechanlage, darunter ein Lämpchen für die Nachtbeleuchtung. Typisch für Berliner Mehrfamilienhäuser. Zum Spaß hat jemand die Nachnamen der drei Gründer sowie einiger weiterer KIWI Mitarbeiter auf die Namensschilder geschrieben. „Wir montieren unseren KIWI Türsensor immer hinter das Klingeltableau, so dass von außen keine Veränderung zu sehen ist“, erklärt Nagel. Sie beschreibt, wie das System funktioniert: Sobald sich jemand mit einem Transponder, genannt KIWI Ki, in der Tasche der Tür auf ein bis drei Meter nähert, empfängt der KIWI Türsensor automatisch das Signal und prüft, ob der Transponder die entsprechende Berechtigung hat. Ist der Transponder autorisiert, wird der Türsummer aktiviert. Dann fehlt nur noch eins: mit Hand oder Schulter die entriegelte Tür aufdrücken.

Herstellung und Produkt-Test bei Kiwi.

Damit der KIWI Türsensor immer die aktuellen Zugangsberechtigungen hat, wird im Keller oder Heizungsraum der Mehrfamilienhäuser ein kleiner schwarzer Kasten, das KIWI Gateway, installiert. Es kommuniziert über Mobilfunk mit dem KIWI Türsensor und teilt ihm mit, wenn sich Zugangsberechtigungen ändern. Diese Kommunikation erfolgt in Echtzeit.

Transponder und Smartphone statt Metallschlüssel

Alternativ zum Transponder kann die Tür mit der webbasierten App geöffnet werden – und natürlich auch weiterhin mit einem herkömmlichen Metallschlüssel. „Letztens haben wir mit einem Kunden gesprochen, der sich extra ein Smartphone mit großem Display gekauft hat, um unseren Service zu nutzen“, erzählt Claudia Nagel. Der 75-Jährige wohnt im Dachgeschoss und nutzt die KIWI App, um seine Haustür vom Wohnzimmer aus zu öffnen. So kann er auf dem Sofa sitzen bleiben, wenn sein Enkel ihn nach der Schule besucht und klingelt. Ein Beispiel, das zeigt, wie vielfältig die Möglichkeiten für den Einsatz von KIWI sind. „Wir sind eine Plattform, kein geschlossenes System“, betont Nagel. „Insofern möchten wir jedem, der eine Berechtigung hat, flexibel Zutritt gewähren.“ So bietet KIWI an, auch temporäre oder einmalige Gastzugänge einzurichten. Zum Beispiel, um bei eigener Abwesenheit Handwerker ins Haus zu lassen. Manchmal ist die KIWI App sogar „Helfer in der Not“. Claudia Nagel: „Als unsere Büroreinigungskraft am Wochenende ihren Schlüssel vergessen und noch keinen Transponder hatte, haben wir ihr einfach aus der Ferne per Smartphone die Türen geöffnet.“

„Zu unseren B2B-Kunden gehören Hausverwaltungen sowie Post- und Paketzusteller.“

Sehr stark ist KIWI im B2B-Geschäft engagiert: Das Unternehmen ist für den Türzugang bundesweit exklusiver Partner der Deutschen Post und arbeitet mit der Berliner degewo, einer der größten Wohnungsgesellschaften des Landes, sowie diversen anderen Dienstleistern und Entsorgern zusammen. „Die riesigen Schlüsselbunde, die zum Beispiel Postboten mit sich führen, werden bald der Vergangenheit angehören“, prognostiziert Nagel. Firmen zahlen bei KIWI monatlich vier Euro pro Tür, bei privaten Kunden liegt der Servicepreis bei drei Euro.

Serienreife Systemkomponente

Verschlüsselt und hackergeprüft

Sicherheit und Datenschutz spielen bei KIWI eine entscheidende Rolle: „Um auf Nummer sicher zu gehen, haben wir schon in der Entwicklung Hacker mit ins Boot geholt.“ Diese haben das System intensiv geprüft. Alle Datenübertragungen werden verschlüsselt, Nutzungsprofile werden nicht angelegt. „Keiner kann nachvollziehen, wer wann durch welche Haustür gegangen ist“, sagt Claudia Nagel. Wenn ein Nutzer seinen Transponder sperren möchte, kann er dies online über die KIWI-App oder eine Hotline tun.

In ihrem Büroalltag wechselt Claudia Nagel oft zwischen den verschiedenen Teams, kümmert sich um das operative Geschäft. „Wir wachsen momentan stark. Es gibt immer neue Produktelemente, die wiederum neue Prozesse benötigen.“ Nachdem das Unternehmen seinen Schwerpunkt zunächst auf Berlin gelegt hat, streckt es jetzt langsam, aber sicher seine Fühler in andere Großstädte aus. Im August 2015 eröffnete KIWI ein Büro in Hamburg, 2016 sollen weitere Zweigstellen folgen.

Mehr Ingenieurinnen braucht das Land

Statistiken besagen, dass nur jeder zehnte Gründer in Deutschland eine Frau ist. Im Bereich der Hardware-Start-ups dürfte die Quote noch geringer liegen. Claudia Nagel kennt so etwas aus ihrem Ingenieurstudium: „Bei den Vorlesungen saßen 300 Männer und selten mehr als fünf Frauen im Hörsaal.“ Die dreifache Mutter hofft, dass sich in Zukunft mehr Frauen für technische Studiengänge entscheiden. „Man muss sich nur trauen, denn selbstverständlich können Frauen das genauso gut wie Männer.“ Als Cogründerin hat Nagel mit dafür gesorgt, dass die Frauenquote in ihrem Unternehmen höher liegt als damals im Hörsaal: Immerhin 16 von 52 Mitarbeitern sind weiblich. „So können wir die weibliche Nutzerperspektive stärker ins Unternehmen einbringen. Schließlich haben wir bei KIWI genauso viele weibliche wie männliche Kunden.“

„Frauen sollten weniger Respekt vor Technik haben.“

Die erfolgreiche Unternehmensgründung von Claudia Nagel hat sich auch außerhalb der Start-up-Szene herumgesprochen. Im Sommer war sie eine der Gewinnerinnen eines von „Edition f“ in Kooperation mit „Handelsblatt“ und „Huffington Post“ ausgerichteten Wettbewerbs: „25 Frauen, die wir bis 2025 als Dax-30-CEO sehen wollen.“

Komfort durch clevere Technik – der sichtbare Teil des Kiwi Türöffnungssystems.

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